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Naturschutzgebiet Nr. 2088
Sandhausen - Zugmantel - Bandholz

- Beschreibung, Besucherhinweise
- Geschichte
- Verordnung
- Bibliographie



Geschichte

Der Sandhäuser Gemeindewald "Bandholz" liegt am Ostrand der Schwetzinger Hardt auf einem Dünenzug, der von Oftersheim über Sandhausen bis nach Walldorf reicht. Hier befindet sich im Gewann "Zugmantel" eine ehemalige Sandgrube.

1970 bis 1980

wurde im Zugmantel Sand abgebaut. Die am Ende der letzten Eiszeit angewehten Flugsande wurden bis zu einer Tiefe von 10 m abgebaut. Es formten sich sandige Hänge, deren steile Böschungen aber kaum nachbrechen, da die geschlossenen Vegetationsdecken auf den Hangschultern mit ihren dichten Wurzelsystemen den Boden festigen. Die offenen, sandigen Steilhänge sind ein idealer Nistplatz für Wegwespen, Grabwespen und Wildbienen, die hier ihre Brutröhren graben. Tiefliegende Bereiche füllten sich mit Wasser, so daß eine kleine Insellandschaft entstand. Die flachen Tümpel und Teiche stellten eine ökologische Bereicherung dar, die kurz vor dem Ende der Sandgewinnung entstand. Die Grube war zwar nur für eine Trockenbaggerung ausgewiesen, doch die vorgeschriebene Abbautiefe wurde nicht eingehalten. An einigen Stellen schnitt man den Grundwasserhorizont an, und die tiefliegenden Mulden füllten sich mit Wasser.

1980

...und die folgenden Jahre wurden Teile der Grube mit Bauaushub, Bauschutt und Klärschlamm verfüllt oder aufgeforstet. Auf höhergelegenen Flächen kamen zunächst Ruderalfluren auf, die sich nach zögerlichem Gehölzaufwuchs mittlerweile zu Pionierwald entwickelt haben. In den ersten Jahren nach dem Sandabbau hatten sich Uferschwalben angesiedelt, die Brutröhren in den sandigen Steilwänden anlegen. Da die Böschungen damals noch häufig betreten wurden, löste sich die Brutkolonie allerdings recht schnell wieder auf.

1982

...erreichten die Wasserflächen ihre größte Ausdehnung. Seinerzeit stellte man 18 verschiedene Libellen-Arten, zahlreiche Schwimmkäfer und Wasserwanzen und sogar Zwergtaucher und Teichhühner in den Tümpeln fest. Binnen kurzem hatte sich eine bemerkenswerte Amphibienfauna mit Kammolch, Gelbbauchunke, Kreuzkröte, Wechselkröte und Laubfrosch eingestellt. Im Rohrkolben- und Schilf-Röhricht brütete der Sumpfrohrsänger.

1985

wurde diese Sandgrube mit ihrer weitläufig offenen Wasserfläche unter Naturschutz gestellt. Das Gebiet zählt zusammen mit den Naturschutzgebieten "Sandhausener Düne Pferdstrieb", "Sandhausener Düne, Pflege Schönau-Galgenbuckel" und " Oftersheimer Dünen" zu den wertvollsten Bereichen des Dünenzuges, unterscheidet sich durch die intensiven Eingriffe der jüngeren Vergangenheit allerdings deutlich von diesen.
Die Wasserflächen allerdings verschwanden durch natürliche Schwankungen im Grund- bzw. hier Oberflächenwasserstandes zum größten Teil.
Auf den bloßen Sandflächen, die besonders nährstoffarm sind, bildete sich bis heute allmählich ein Sandrasen mit den zugehörigen Tiergesellschaften aus. Neben zahlreichen Moosen und Flechten wachsen hier Zypressen- Wolfsmilch, Sand-Thymian, Scharfer Mauerpfeffer und Silbergras. Typische Insekten dieser Sandrasen sind der Dünen-Sandlaufkäfer, die Blauflügelige Ödlandschrecke, die Sand-Stielwespe und der Wolfsmilchschwärmer.

Seit Ende der 80er

Jahre hatte sich das Bild gewandelt: Der Grundwasserspiegel war drastisch gesunken, die Wasserflächen sind meist ausgetrocknet und die Röhrichte verschwunden. Mittlerweile eroberten Kiefern, Robinien, Linden, Buchen und andere Gehölze, auch die Brombeere die ehemaligen Wasserflächen.

1988

erarbeitete die BNL Karlsruhe ein Pflege- und Entwicklungskonzept, dessen oberstes Ziel darin besteht, die Sandböschungen und Sandrasen von Gehölzen freizuhalten. Seitdem wird in Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung immer wieder Robinien- und Kiefern-Aufwuchs entfernt. Die Tümpel und die Auffüllungsflächen bleiben der natürlichen Sukzession überlassen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Information und Lenkung der Besucher. In den vergangenen Jahren wurden trittempfindliche Areale eingezäunt und beschildert. Die BNL Karlsruhe gab ein Faltblatt über die Dünen um Sandhausen heraus und verteilte es an die Sandhausener Bürger. Die Sandgrube wird zudem vom örtlichen Naturschutzdienst stärker kontrolliert. Bis Ende der 90er Jahre warend kaum noch Trittschäden in den Sandrasen und -böschungen zu verzeichnen.

2001, Januar

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU), auch vertreten durch die Geschäftsführer des Bezirksverbandes Rhein-Neckar-Odenwald (RNO) Arnim Jendrysik und Christiane Köhler sowie im Wesentlichen die Theodor-Heuss-Realschule Walldorf haben sich seit Januar der Rettung eines der südlich gelegenen Sandhäuser Naturschutzgebiete angenommen. Beteiligt sind Schüler aus Sandhausen wie auch aus Walldorf und St. Leon-Rot. In Zusammenarbeit mit der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege (BNL) wurden die Pflegeeinsätze geplant. Rat und Hilfe bekommen die Realschüler vom Leiter des Forstreviers Sandhausen Andreas Kolb sowie Oberforstrat Sebastian Eick, die zeitgemäßen Naturschutz ebenfalls in Theorie und Praxis unterstützen. Als pädagogischer Leiter beziehungsweise Vertreter der Schule hat sich die Biologielehrerin Martina Blattner schon lange vor allem mit den Frosch- und Lurchpopulationen des Naturschutzgebietes auseinandergesetzt. Eines ihrer besonderen Ziele ist, wesentlich mehr dieser feuchtigkeitsabhängigen Tiere ein Lebensraum zu garantieren. Wissenschaftliche Untersuchungen mit den freiwilligen Schülern sowie Dokumentationen sollen die Entwicklung des Projektes auch dahingehend bestätigen.

Der Schüler Alexander Hillebrand fasste treffend zusammen: "Wir, die Frosch-AG der Realschule Walldorf, pflegen zur Zeit das Naturschutzgebiet "Zugmantel-Bandholz". Dieses ist durch Aufforstung und Grundwasserabsinken stark bedroht. In den 70er Jahren war in der Mitte ein riesiger See. Heute kann man auf dem Seegrund laufen. Auch die Hänge, in denen sehr seltene Wildbienen leben, sind bedroht, da durch den Baumwuchs kein Licht mehr auf diese fällt. Durch entfernen der Bäume am Grund und der Befreiung von Kiefern am Hang versuchen wir unser Ziel zu erreichen - die Rettung des Naturschutzgebietes." Thomas Hartmann, Naturschutzwart für Sandhausen, selbst mit verschiedensten Gruppen im praktischen Naturschutz aktiv, bestätigte: "Der Realschule und dem NABU Bezirksverband Rhein-Neckar-Odenwald ist, wenn das Projekt dauerhaft bestand hat, ein großer Vorstoß im Naturschutz gelungen". Speziell dem NABU Walldorf, welcher die Aktionen mit 3000 Deutschen Mark finanziell stützt, gilt ebenso entsprechender Dank wie den bis zu 60 Helfern des NABU und der Schule, die an bisher drei Tagen in jeweils zweieinhalb Stunden mit Sägen, Scheren und Hacken beachtliches geleistet haben. Auch die Naturschutz-AG des Friedrich-Ebert-Gymnasiums Sandhausen unterstützte mit Geräten und Tips das Aktionspotential der Realschüler. Ein weiterer großer Einsatz im gleichen Rahmen folgte nach Ende der Vegetationsperiode im Herbst 2001.

2001

... im April fand ein Resümee zu den vorangegangenen Pflegemaßnahmen der Walldorfer Realschule statt. Martina Blattner, Leiterin der "Frosch-Arbeitsgemeinschaft" an der Realschule hatte Interessierte sowie Verantwortliche und Helfer der vergangenen Naturschutz-Aktionen ins Naturschutzgebiet Zugmantel-Bandholz zu einem Resümee und einer Ausschau eingeladen. Anwesend waren unter anderen Naturschutzbund(NABU)-Kreisgeschäftsführer Arnim Jendrysik, der Realschulleiter Dieter Burkard, Forstrevierleiter Andreas Kolb und Naturschutzwart Thomas Hartmann. Ein sehr ansehnliches Ergebnis für den praktischen Naturschutz und die Umwelterziehung an der Theodor-Heuss-Realschule, so ist man sich einig, lieferten zahlreiche Schüler aus Sandhausen, Walldorf und St. Leon-Rot. Umgesetzt wurden hier die Pflegepläne der Naturschutzbehörden in unverzichtbarer Zusammenarbeit mit dem NABU und weiteren Vertretern aus Naturschutz beziehungsweise Forst. Bei zwei großen Aktionen im Januar hatten sie in der ehemaligen Sandgrube vor allem Bäume und Sträucher von der Sandböschung und vor allem der dort angrenzenden Grubensohle entfernt. Vielen teils sehr selten gewordenen kleinen Tierarten, vor allem Insekten und hier speziell Wildbienen und Grabinsekten wurde damit für viele Weitere Jahre ein Lebensraum gesichert. Ein weiteres Ziel der Frosch-AG ist es, mit zukünftigen Aktionen dauerhafte Wasserflächen zu schaffen. Hierzu müssten aller Voraussicht nach jedoch einige Zentimeter Boden mit den vorhandenen Jungkiefern und anderen Gehölzen weichen. Das meist nur knapp unter der jetzigen Oberfläche anstehende Grundwasser würde dann als Laichplatz für viele Frösche und Lurche in Betracht kommen. Eventuell wäre auch seitens des Walldorfer Gymnasiums im Herbst mit wertvoller Unterstützung zu rechnen. Probleme bereiten in dieser 17 Hektar großen Grube aller Voraussicht nach Altlasten, die stellenweise recht dicht - ebenfalls knapp unter der Oberfläche liegen. Neben diversem Bauschutt, Teer, Hausmüll und anderem rechnet man sogar damit, Öl- und Chemiebehälter anzutreffen, die seit dem Sandabbau ab 1970 bis Mitte der 80er Jahre immer wieder illegal hier zurückgelassen wurden. Der Einsatz eines Baggers könnte zum Erreichen eines vernünftigen Pflegezieles neben der Verwendung verschiedenster Handarbeitsgeräte unverzichtbar werden. Aber auch die bloße Handarbeit wie beim Entfernen von Kulturgewächsen ist auf den sehr sensiblen Sandhängen um die Grube kaum ersetzbar.

Foto: Sie kümmern sich intensiv um den Erhalt des an Facetten reichen Biotops: Vertreter unter anderem von Forst, BNL, dem Walldorfer Gymnasium, dem Naturschuzdienst der Kreisverwaltung, von NABU

Die Beteiligten konnten sich über kleinere Vorträge und Fragerunden sowie in Einzelgesprächen ein ausgiebiges Bild über das NSG machen. Ideen und Erfahrungen wurden eingebracht, besprochen und konkretisiert. Mit klareren Vorstellungen zu weiterten Aktionen an dieser Stelle trafen sich die Beteiligten im Anschluss zum Besuch im St. Ilgener Heimat- und Froschmuseum. Hier ließen sie sich schmunzelnd einmal mehr aber diesmal die "etwas andere Welt der Frösche" von Froschkönig Rudi Sailer zeigen.

2002

im März engagierte sich wieder eine Naturschutzprojektgruppe der Theodor-Heuss-Realschule Walldorf im praktischen Naturschutz. Tatkräftig legte die Klasse 6 d mit Sandhäuser und Walldorfer Schülern in Absprache mit der unteren und höheren Naturschutzbehörde zur Landschaftspflege im Naturschutzgebiet Zugmantel-Bandholz kräftig Hand an. Im Naturschutzgebiet drohten auch derzeit die ökologisch besonders wertvollen Flächen wie die Sandböschungen und andere Sandrasenbereiche durch Gehölzaufwuchs zu verbuschen. Sie müssen also nach wie vor durch bestimmte Landschaftspflegemaßnahmen in ihrem Bestand geschützt werden. Biologielehrerin Martina Blattner hatte im vergangenen Jahr als Leiter der "Frosch-Arbeitsgemeinschaft" die ersten Aktionen der Realschule an diesem Ort möglich gemacht und damit, einen wichtigen "Startschuss" für weitere Aktionen gegeben.
Auch jetzt waren alle durchgeführten Maßnahmen der Projektgruppe im Naturschutzgebiet mit den Naturschutzbehörden sowie mit dem Forstamt Schwetzingen unter Leitung von Revierförster Herrn Kolb abgesprochen. Bei bestem Frühlingswetter trafen die hochmotivierten 24 Schüler von Annemarie Wettstein und Ingeborg Fins im Einsatzggebiet ein. Nach einer kurzen Einführung über den ökologischen Sinn des Landschaftspflegeeinsatzes und über die anstehenden Arbeiten durch den NABU-Projektleiter Armin Jendrysik und den Naturschutzwart von Sandhausen, Thomas Hartmann, machten sich die jungen Naturschützer an die Arbeit. Ziel des Einsatzes war es, eine ca. 600 Quadratmeter große Fläche von Gehölzschnittgut zu säubern. Bereits im Vorfeld wurden aufkommende Gehölze auf dieser Fläche von Forstarbeitern gefällt, die eine wertvolle Sandböschung mit den seltenen Silbergrasvorkommen zu zerstören drohten. Das lose Gehölze wurde von den Schülerinnen und Schüler in den angrenzenden Wald getragen und dort abgelagert. Dickere Stämme, die als Brennholz genutzt werden können, wurden separat deponiert. Nach zwei Stunden fleißiger Arbeit, nur durch eine kurze Pause zur Stärkung der leiblichen Kräfte unterbrochen, war die Fläche geräumt und teilweise sogar von verbuschenden Brombeeren befreit. Jetzt sind die angrenzenden wertvollen Silbergrasbestände auf längere Zeit vor einer Gehölzbeschattung geschützt und haben die Möglichkeit, sich auf der Rodungsfläche auszubreiten.
Der NABU und der Naturschutzwart möchten nochmals eindringlich darauf hinweisen, daß die Sandgrube Zugmantel-Bandholz ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet ist und nur auf den offiziellen Wegen betreten werden darf. An verschiedenen Stellen an der Grenze des NSG befinden sich Hinweistafeln, aus denen diese Wege ersichtlich sind. Viele Wege im Naturschutzgebiet sind illegal und werden von einer großen Zahl Erholungssuchender genutzt. Besonders die Vegetation auf den Sandböschungen ist extrem durch Trittbelastungen bedroht. Ein weitere intensive Belastung dieser Flächen führt unweigerlich zum Verschwinden dieser einzigartigen, hochspezialisierten Pflanzengesellschaften.

2002, April bis Sommer

Die Wasserflächen werden trotz Betretungsverbot besonders an Wochenenden Starken Besucherströmen ausgesetzt. Auf den streng geschützten Flächen wird Fahrradgefahren, gewandert und sogar immer wieder geritten. Die Randbereiche der Wasserflächen werden durch zahlreiche Erholungssuchende als Badesee genutz und es werden vereinzelt sogar Lagerfeuer unterhalten. Hinweisschilder werden repariert und deren Standorte zum Teil publikumswirksamer plaziert. Erst nach engmaschigen Kontrollgängen im Gebiet und Gesprächen mit Reitern verschiedener Vereinszugehörigkeit durch den Naturschutzwart mit viel Aufklärungsarbeit beruhigt sich das Bild. Die Blockierung der "wilden" Zugangspfade zum betreffenden Teil des Naturschutzgebietes mit stärkeren Gehölzen unterstützt den Schutz der empfindlichen Sandflächen. Jedoch immer wieder müssen die Blockaden erneuert werden. Erhebliche Schäden auf dem Trockenrasen finden sich fast nur noch zwischen Hochsitz und der jagdlichen Luder- und Salzleckstelle.

2002, August

Kleine Bestandsaufnahme: Die Teiche und Tümpel zeigen sich mit einigen typischen Wasser- und Feuchtwiesengewächsen gut entwickelt. Auch die Tierwelt erobert in zunehmendem Maße die seit knapp zwei Jahren dauerhaft bestehenden offenen Wasserflächen. Verschiedene Libellen-Arten, darunter (Südliche oder Große) Blaupfeile, Laubfrosch, Schilf-Röhricht prägen nun wieder das Bild im Feuchtgebiet des Zugmantel-Bandholz. Auch auf den von der Realschule, dem Forst und dem NABU gepflegten Flächen halten sich jetzt sehr gut zahlreiche Moose und Flechten, wachsen Zypressen-Wolfsmilch, Sand-Thymian, Scharfer Mauerpfeffer und Silbergras. Im Sinne des Artenschutzes und der Biotopvernetzung finden hier typische Insekten dieser Sandrasen wie der Dünen-Sandlaufkäfer, die Blauflügelige Ödlandschrecke (Foto), die Sand-Stielwespe und andere Rote-Liste-Arten sowie der Wolfsmilchschwärmer und der Ameisenlöwe einen recht günstigen Lebensraum vor.
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Foto: Der Sand-Thymian (Thymus serpyllum) kommt in Baden-Württemberg nur in den Hardtebenen zwischen Mannheim und Walldorf vor. Manchmal wächst auf den Sandflächen kaum eine andere Pflanze neben ihm. Wenn im november noch die ein oder andere Blüte steht, eröffnet sich dem aufmerksamen Betrachter in der frühen Morgenstunden immer mal ein wunderbares Bild. Hier Eine Thymianblüte vor der Kulisse aus einem Ahorn-Samen im kristallenen Morgentau.

2004

"Großkreis", Rhein-Neckar-Zeitung, 3.11.2004

Der Bagger macht Platz für die Libelle

Die alte Sandgrube ist inzwischen zugewachsen
von Daniel Raddatz, BNL

Ein Raupenbagger pflügt sich in den kommenden Tagen durch das Naturschutzgebiet "Zugmantel-Bandholz" zwischen Walldorf und Sandhausen. In der längst stillgelegten Sandgrube wird aber keineswegs Sand abgebaut, sondern ein Teilbereich der Grubensohle wird im Auftrag der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege (BNL) von aufgewachsenap Gehölzen befreit. Die in Absprache mit der Gemeinde Sandhausen und der örtlichen Forstverwaltung neu angelegte Freifläche soll einer ganzen Reihe seltener Tier- und Pflanzenarten das Überleben in der Sandgrube sichern. Der Laubfrosch und die an ihrem grünen Fleckenmuster zu erkennende Wechselkröte haben die Sandgrube vor vielen Jahren besiedelt, als der größte Teil der Sandgrube noch gehölzfrei war. Beide Arten benötigen viel Sonne und sterben in stark beschatteten Gewässern aus.

Genauso ergeht es der Südlichen Mosaikjungfer, einer vom Aussterben bedrohten Großlibelle, die im Naturschutzgebiet Zugmantel-Bandholz derzeit noch vorkommt. Sie sucht Gewässer auf, die über den Sommer austrocknen und legt dort im August und September ihre Eier in die Vegetation ab im sicheren Wissen, dass im Winter und Frühjahr dort wieder Wasser steht und sich die Larven erfolgreich entwickeln können. Eine weitere Besonderheit der Sandgrube ist das Vorkommen der stark im Bestand gefährdeten Westlichen Domschrecke. Sie gehört zu den "Lebenden Fossilien", denn die urtümlich aussehende kleine Heuschreckenart ähnelt weitgehend Vorfahren, die bereits vor 80 Millionen Jahren gelebt haben und als Fossilien erhalten sind. Sie kann gut schwimmen und fühlt sich im Übergangsbereich von trockenen Sanddünen und feuchten Schlammflächen wohl.

Auch seltene Pflanzenarten, zum Beispiel das Braune Zypergras werden von der neuen Freifläche profitieren. Durch die Arbeiten werden seine Samen, die seit vielen Jahren im feuchten Sand schlummern, aktiviert. Alle diese Arten waren früher in der Aue von Rhein und Neckar zu Hause. Da Rhein und Neckar ihrer Dynamik inzwischen durch Dämme und Staustufen beraubt wurden, finden diese Arten heute nur noch in wenigen Sand- und Kiesgruben der Region geeignete Lebensbedingungen. Da hier ein Fließgewässer fehlt, muss ersatzweise der Raupenbagger für neue Freiflächen sorgen.

Das 1985 ausgewiesene Naturschutzgebiet hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Die vegetationsfreie Grubensohle ist inzwischen nahezu vollständig von Gehölzen bewachsen. Diese normale Entwicklung läuft allerdings den Zielen der Naturschutzverwaltung entgegen. Um die Artenvielfalt der Sandgrube zu erhalten, so die BNL, sind pflegende Eingriffe notwendig.

Quellen

der unter verfassten Texte, wenn nicht anders angegeben: Naturschutzwart für den Rhein-Neckar-Kreis Thomas Hartmann, NABU-Kreisgeschäftsführer Rhein-Neckar-Odenwald Armin Jendrysik sowie "Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Karlsruhe", 2000, ISBN 3-7995-5172-7 hier: Autor Andreas Wolf, Silbershohl 25, 69221 Dossenheim.



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