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Der Hockenheimer RheinbogenIm Rhein-Neckar-Kreis, verteilt auf die Gemarkung der Stadt Hockenheim , Ketsch und Altlußheim, findet sich ein aus 30 Teilgebieten zusammen gesetztes Naturschuztgebiet. Diese insgesamt 656,0 ha wurden mit Verordnungsdatum 29.01.1990 bzw. der Erweiterung des bereits am 19.04.1939 ausgewiesenen Naturschutzgebietes Torfloch im Morsch vom Regierungspräsidium in Karlsruhe unter Schutz gestellt. Die LfU-Nummer ist 2.128 und ordnet sich dem Naturraum 222 Nördliche Oberrhein-Niederung zu. Es findet sich auf den amtlichen Karten TK(25) Nr. 6616 und 6617LageDie Teilflächen erstrecken sich über die gesamte Auenniederung zwischen Hockenheim, Ketsch und dem Rhein und sind von einem 1850 ha großen Landschaftsschutzgebiet umschlossen. Durch die sogenannte Rheinkorrektion wurde das Flußbett des Rheines verschmälert. Östlich des rechtsrheinischen Haupthochwasserdamms erstreckt sich eine Altaue, die von einer vielfach gebuchteten Hochgestadekante begrenzt wird.Geologie, BodenSandig-schluffige bis kiesige Ablagerungen treten im Wechsel mit torfigen Lagen einstiger Verlandungsmoore auf. Hierein gesellen sich Tonlagen, die von der Sedimentation in früheren Rheinschlingen herrühren. So oder ganz ähnlich geschichtete alte Böden mit nährstoffreichem Schlick jeweils über Sand und Kies vergesellschaften sich mit Rinnenfüllungen aus Mudden- und Niedermoortorf. Das gilt besonders für die Randsenke am Fuße des Hochgestades.SchutzzweckDie Verordnung für das Naturschutzgebiet soll die Erhaltung, Pflege und Entwicklung der restlichen Grünlandflächen in der Rheinniederung gewährleisten. Das bedeutet Schutz der vielfältigen sekundären Feuchtgebiete (aufgelassene Ziegeleigruben), der typischen Vegetation der Gewässer, Gräben, Röhrichte, Riede, Wiesen, Gebüsche, Hecken und Wälder mit zahlreichen spezialisierten, gefährdeten bis bedrohten Pflanzen- und Tierarten, vor allem unter den Insekten, Amphibien und Vögeln.Reizvolle LandschaftSehr unterschiedliche aber für den Oberrhein typische Landschaftselemente prägen die Landschaft beim Hockenheimer Rheinbogen. Hierzu gehören neben Altrheinen auch Rinnen, Senken, Schluten, Verlandungszonen beziehungsweise Schilf-Röhrichte und Seggenriede. Eine Besonderheit, die aus der Lage und dem Bodenaufbau resultiert: "Land unter" heißt es durchaus einmal am Rhein bei Hockenheim. Bei starkem Hochwasser verwandelt sich der Hockenheimer Rheinbogen in eine große Seenplatte - aber nicht etwa durch Überflutung, was der Hochwasserdamm verhindert, sondern durch Druckwasser aus dem durchlässigen Boden.Vielseitiges BaumlebenLandschaftsbestandteile wie Silberweiden-Auenwälder, Schwarzerlen-Bruchwälder, Gebüsche, Feuchtwiesen, Obstwiesen und Hochstaudenfluren wechseln auf kleinstem Raum. Wälder kommen vornehmlich in der Überflutungsaue und in der Randsenke unterhalb des Hochgestades vor. Dort hat es kleinere Silberweiden-Auenwälder auch Stieleichen-Ulmen-Auenwälder und Schwarzerlen-Bruchwälder sowie große Pappelforste.Platz für offene FlächenOffene Flächen sind die fast ebenen Felder mit Gehölzreihen, vereinzelten Wiesen mit unterschiedlichen Pflanzengesellschaften zu feuchten bis nassen Standorten. Die Wiesen sind Glatthafer-Wiesen, Fettweiden, Sumpfseggen-Wiesen und Rasenschmielen-Wiesen. Entlang von Gräben stehen Hochstaudenfluren, Schilfbestände und Baumreihen. Ehemalige Tongruben verschwinden unter Buschwerk und Bäumen wo nicht für Röhrichte bessere Voraussetzungen sind. Artenreiche Wasserpflanzen- und Verlandungsgesellschaften gedeihen in den Gräben, Kanälen, Seen, feuchten Schluten und Stauwasserflächen. Röhrichte ziehen sich hauptsächlich entlang der Gewässer und feuchten Schluten.Artenreiche TierweltDen Hockenheimer Rheinbogen besiedeln und besuchen eine große Artenzahl Vögel, Insekten und Amphibien. Dier Rheinbogen ist für sie Vermehrungsort, Rastplatz, Nahrungslieferant und Rückzugsgebiet. Die für feuchte Lebensräume typischen Arten dominieren. Für viele Vogelarten hat das Schutzgebiet überregionale bis internationale Bedeutung. Das gilt zum Beispiel für die Fluren des Insultheimer Hofes und der Ketschau als Überwinterungsgebiet der Saatgans. Die Niederungswiesen waren schon als Brutplatz des Großen Brachvogels bekannt In den Tongruben lebt das seltene Blaukehlchen (Luscinia svecica). Es hat sich in den vergangenen Jahren (Stand 2000) im Hockenheimer Rheinbogen ausgebreitet.Schutzkonzepte und EntwicklungFür zahlreich Tier- und Pflanzenarten kann nur ein umfassendes Schutzkonzept dieses Gebiet nachhaltig attraktiv halten. Den Verordnungsvorschriften liegt deshalb eine Konzeption zum Schutz einzelner Arten, aber auch zur Vernetzung der Biotope zugrunde. Wie notwendig das ist, zeigt der drastische Rückgang der Wiesen von 1010 ha im Jahr 1940 auf 286 ha 1984. Das entspricht einem Minus von 72 %. Die Wiesen wurden innerhalb der Ackerflur verinselt, und die wiesenbrütenden Vogelarten sowie andere Tier- und Pflanzenarten gingen deutlich zurück. Das Domänenkonzept Insultheimer Hof wurde als Modellprojekt für die Biotopvernetzung erarbeitet. Die Einschränkung landwirtschaftlicher Nutzung orientiert sich vor allem an den brutbiologischen Daten der Wiesenbrüter, insbesondere des Großen Brachvogels, dessen Bestände nach dem Zweiten Weltkrieg in der gesamten Ober rheinniederung stark zurückgegangen sind. Er benötigt ausgedehntes, möglichst extensiv genutztes, feuchtes Niederungsgrünland. In weiten Gebieten darf deshalb das Grünland nicht umgebrochen und keine Pflanzenbehandlungsmittel auf Grünland eingesetzt werden. Die erste Mahd darf nicht vor dem 15. Juni erfolgen, und zwischen dem 15. März und dem 15. Juni darf nicht gedüngt werden. Die Verwendung von Gülle und Schwemmmist ist nur eingeschränkt gestattet. Eine Bearbeitung der Wiesen, zum Beispiel durch Walzen, sowie eine Beweidung ist in diesem Zeitraum ausgeschlossen, um Gelege- und Jungvogelverluste zu vermeiden. Mit Extensivierungsverträgen und Ausgleichsflächen für die Landwirte werden die Einschränkungen in der Bewirtschaftung ausgeglichen. Die Regelungen für die Forstwirtschaft sollen garantieren, daß sich die kleinen Waldbestände, vorwiegend auf dem Gelände aufgelassener Ziegeleigruben, ungestört weiterentwickeln können. Besonders wichtig ist dies für das "Torfloch im Morsch", ein altes Naturschutzgebiet mit vom Menschen unbeeinflußtem Bruchwald.BesucherhinweiseInteressierte erkunden das riesige Gebiet sinnvollerweise mit dem Rad oder auf kleineren Abschnitten zu Fuß. Von allen drei Gemeinden führen mehrere Straßen durch und um den Rheinbogen, davon eine auf dem Hauptdamm. Feldwege führen von ihnen zu den abgelegeneren Teilgebieten. Umsichtiges, störungsarmes Vorgehen. Eine detaillierte Karte und gute Beobachtungsgeräte sind hier wichtig.(Quellen: Joachim Lösing, 76137 Karlsruhe (siehe Literaturempfehlung), www.mareno.NET) Literaturempfehlungzum Rheinbogen Hockenheim wie auch zu den vielen anderen Naturschutzgebieten im Regierungsbezirk Karlsruhe
"Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Karlsruhe", Verlag Thorbecke, ISBN 3-7995-5172-7, Mit ausführlichen Steckbriefen zu den Schutzgebieten, schönen Fotografien zur Pflanzen- und Tierwelt, Erklärungen zur Schutzbestimmung, Landschaftsbeschreibungen, Besucherhinweisen, geologischer Karte, geologischer Zeittafel, weitere Übersichtskarten,...Artenliste, Beobachtungen (Auswahl)Weißstörche Schwarzmilane Baumfalke Turteltauben Kuckucke Gelbspötter Teichrohrsänger Sumpfrohrsänger BLAUKEHLCHEN Nachtigall Schwarzkehlchen Schafstelzen Kiebitze Grauammern Blaukehlchen BeutelmeiseQuelle mit detaillierten Angaben: Birdwatch VeröffentlichungenAus "Das Jahr 2003 in Hockenheim - ein Bericht von Oberbürgermeister Gustav Schrank HOCKENHEIM ’03"Biotopvernetzung weitergeführtUnter der Anleitung und Betreuung des Neulußheimer Büros für ökologische Planungen und Gutachten Rausch führten Hockenheimer Landwirte weitere Maßnahmen zur Biotopvernetzung durch. Dabei ging es im Gewann "Biblis" sowie im Landschafts- und Naturschutzgebiet "Hockenheimer Rheinbogen" vorrangig um Hecken- und Gehölzpflege. Es wurden stark überalterte, aber landschaftsprägende Heckenzüge und Feldgehölze mit einer Gesamtlänge von ca. 300 Metern abschnittsweise auf den Stock gesetzt, um damit eine Verjüngung herbei zu führen. Artenarme Abschnitte wurden durch wiederholtes Zurückschneiden dominanter, starkwüchsiger Arten gefördert. Des Weiteren legte man auf den Erhalt einzelner bestandsprägender Bäume besonderen Wert. Auch erfolgte eine Reduktion des Querschnitts und ein Entbuschen der ursprünglichen Saumbereiche. Ziel der Maßnahmen als Primärpflege war die langfristige Bestandssicherung der Hecken, verbunden mit einer ökologischen Aufwertung des Bestands durch Erhöhung der Strukturvielfalt. Trägerin der Maßnahme im Gewann „Biblis“ mit Kosten von 10.000 Euro war die Stadt Hockenheim, die hierfür einen 50-prozentigen Landeszuschuss erhielt. Die im "Hockenheimer Rheinbogen" anfallenden Kosten von 8.000 Euro wurden von der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege als höhere Naturschutzbehörde getragen. |
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