Inhalt:
1. Einleitung
2. Beschreibung der Naturschutzgebiete


Fotos v.l.n.r.: die größere der Freiflächen des Schutzgebietes Schönau-Galgenbuckel, der südliche und der nördliche Teil der Düne Pferdstrieb
2.1. Geografische Lage, Größe
2.2. Schutzzweck
2.3. Geologische Entstehung
2.4. Nutzungsgeschichte
2.4.1. Die Nutzung des "Pferdstriebs"
2.4.2. Die Nutzung der "Pflege Schönau-Galgenbuckel"
3. Heutiger Zustand
3.1. Standortbedingungen
3.2. Vegetation
3.3. Fauna
4. Pflege
4.1. Maßnahmen der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege
4.2. Der "Dünenputz"
Anm. des Web-Seiten-Betreuers: Pflegeaktionen mit Kindergärten und weiteren Gruppen betreut durch einen für diese Gebiete zuständigen Naturschutzwart blieben in dieser Schrift unerwähnt. Bei diesen Aktionen wurden unter anderem selektiv und intensiv Kiefernzapfenstreu, Altholz, Robinien, Asche, Kratz- und Brombeeren von Trockenrasen entfernt. Berichte hierzu finden Sie über das Inhaltsverzeichnis dieser Homepage.
4.3. Auswirkungen der Pflegemaßnahmen
5. Beeinträchtigungen
6. Lösungsansätze
6.1. Schonende und informative Freizeitnutzung
6.2. Müllentsorgung
6.3. Begegnung der Sukzession und Eutrophierung durch Pflege, die Spaß macht
6.4. Minderung der Folgen der Bebauung
6.5. Biotopverbund
6.6. Dokumentation
7. Ungelöste Fragen
8. Fazit
9. Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
Anhang
Einleitung:
Die vorliegende Studienarbeit setzt sich kritisch mit dem Zustand zweier Naturschutzgebiete (NSG) in Nordbaden auseinander. Es handelt sich um die beiden Sandhausener Dünen "Pferdstrieb" und "Pflege Schönau-Galgenbuckel": Aufgrund der Besonderheiten dieser Naturschutzgebiete werden die Schwerpunkte auf die Beurteilung der Pflegemaßnahmen und die Möglichkeiten des Biotopverbundes gelegt.
2. Beschreibung der Naturschutzgebiete:
2.1. Geografische Lage, Größe:Abb 1: Ausschnitt aus der TK 25 6617. Die Schutzgebiete sind die blau schraffierten Flächen. im Nordwesten der bebauten Gemarkung das Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Pflege Schönau-Galgenbuckel", im Südosten das Naturschutzgebiet "Pferdstrieb"
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2.2. Schutzzweck:
NSG Pferdstrieb:
Der Schutzzweck ist:
die Erhaltung einer nacheiszeitlich entstandenen Sanddüne in ihrer typischen und gut ausgebildeten geomorphologischen Form,
die Erhaltung der stark gefährdeten Lebensgemeinschaft der Sandrasenvegetation als Standort seltener und bedrohter Pflanzenarten,
die Erhaltung einer von der Vegetation und der vorhandenen Geländesituation abhängigen seltenen und stark gefähdeten Tiergemeinschaft, insbesondere der Insekten, Käfer und Spinnen,
die Erhaltung einer seltenen Pilzflora in den gehölzfreien Sandrasen und in den Waldbereichen.
NSG Pflege Schönau-Galgenbuckel:
Schutzzweck für das NSG ist die Erhaltung
von stark bedrohten, wissenschaftlich besonders wertvollen Pflanzengemeinschaften sowie der Fundorte seltener Blütenpflanzen,
von Standorten seltener Pilzarten,
einer an seltenen Arten reichen Insektenfauna,
der Dünenmorphologie als typisches Beispiel einer nacheiszeitlichen Formung der Landoberfläche,
eines für Forschung und Lehre einzigartigen Biotopes.
Die gesamte Schutzverordnung befindet sich auf dieser Homepage "Naturschutz in Sandhausen.
2.3. Geologische Entstehung:
Die Binnendünen entstanden nach LÖSCHER (1994) in der kurzen Kaltphase am Ende der Würm-Eiszeit vor 10000 bis 11000 Jahren, in der sog. Jüngeren Dryaszeit. Die Sande wurden von einer damals schon bestehenden Rheinaue ausgeweht und auf der nördlichen Niederterasse des Oberrheingrabens abgelagert. Durch die Dreifelderwirtschaft des Mittelalters konnte wieder großflächig Sand umgelagert werden. Die oberen, kalkfreien Horizonte wurden teilweise oder vollständig abgetragen und von jungem, kalkhaltigem Flugsand überdeckt. Diese Auflage ist meist nur wenige Dezimeter dick.
2.4. Nutzungsgeschichte:
Auf den Sandhausener Dünen entwickelte sich bald nach ihrer Entstehung Waldvegetation. Diese wurde vor rund 1000 Jahren abgeholzt, um die Dünen landwirtschaftlich zu nutzen. Wie SCHUBA (1986) ausführt, folgte eine extensive Dreifelderwirtschaft aus Winterfrucht, Sommerfrucht und Brache. Diese wurde als Schafweide genutzt und so gedüngt. Durch die mittelalterliche Dreifelderwirtschaft entstanden immer wieder offene Sandflächen. Erst durch diese Nutzung entwickelte sich die heutige Sandrasenvegetation. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Fruchtfolgewirtschaft eingeführt, was die Brachen erheblich verringerte.
Die Nutzung des angrenzenden Hardtwaldes war indes sehr intensiv. Die sieben Hardtgemeinden besaßen das Recht, Vieh zur Waldweide in den Wald zu treiben und Leseholz, Streu und Laub zu entnehmen. Dadurch wurden große Teile der Humusschicht des Waldes zerstört.
2.4.1. Die Nutzung des "Pferdstriebs":
Aus dem Namen Pferdstrieb lässt sich unschwer erkennen, dass die unbewaldeten Flächen des heutigen Naturschutzgebietes früher als Pferdeweide genutzt wurde. ROHDE (1994) erläutert verschiedene Bemühungen, das Gebiet lukrativer zu nutzen. Im 19. Jahrhundert wurde Spargel und Wein gepflanzt. Bis 1956 wurde Sand abgebaut, obwohl der unbewaldete Teil des Gebietes schon 1929 unter Schutz gestellt wurde. Danach wurde das Gebiet als Freizeitfläche genutzt bis der nördliche Teil 1963 wegen starker Beeinträchtigungen eingezäunt wurde. Dieser ist heute nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich.
2.4.2. Die Nutzung der "Pflege Schönau-Galgenbuckel":
Die "Pflege Schönau" war Eigentum des Zisterzienserklosters Schönau im Odenwald. Die Flächen des heutigen NSG wurden ab dem 12. Jahrhundert extensiv landwirtschaftlich genutzt. 1588 wurde das Kloster aufgelöst. Die Flächen wurden danach von Pferden beweidet, zum Teil wurde Wein und Spargel angebaut. Am "Galgenbuckel" wurde 1941 wie im "Pferdstrieb" Sand abgebaut. In jüngerer Zeit geht auch hier der größte Nutzungsdruck von der Wohnbebauung aus. 1974 entstanden für nahezu den gesamten unbewaldeten Galgenberg Bebauungpläne.
Die "Pflege Schönau" wurde 1950 zum ersten Mal unter Schutz gestellt. Das Schutzgebiet umfasste damals nur den unbewaldeten Teil. 1979 wurde der bewaldete "Galgenbuckel" an das NSG angeschlossen. Die südlich und westlich liegenden Kiefernforste wurden Landschaftsschutzgebiet.
3. Heutiger Zustand:
3.1. Standortbedingungen:
Die Dünensande liegen über einer Schicht Rheinkies und Auemergel. Der obere Teil der Sande ist zum Teil entkalkt. Der sandige Boden speichert nur sehr wenig Wasser. Der Großteil der Niederschläge versickert oder verdunstet nach kurzer Zeit. Die Pflanzenverfügbarkeit der ohnehin raren Nährstoffe wird dadurch noch vermindert. Die Temperaturen auf den unbewaldeten Dünenoberflächen kann im Sommer um 30-40°C höher sein als die der Umgebungsluft. Ohne direkte Sonneneinstrahlung kühlt die Bodenoberfläche aber auch wieder sehr schnell ab.
3.2. Vegetation:
Abb 2: Blauschillergras
Weiterhin kommen Kegelleimkraut-Sandhornkraut-Gesellschaft (Sileno-conicae-Cerastietum-semidecandri) auf basenreichen Standorten und Silbergras-Sandrasen (Corynephorus-canescens-Gesellschaft) auf offenen kalkfreien Sandböden vor. Im Zuge der Sukzession der Sandrasen haben sich auf großen Flächen beider Naturschutzgebiete Schafschwingel-Trockenrasen (Festuca-guestfalica-Gesellschaften) ausgebildet.
Die bewaldeten Flächen sind maßgeblich von der Forstwirtschaft geprägt und bestehen vor allem aus Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) und Robinie (Robinia pseudoacacia). Die Krautschicht der Waldgebiete wird von der Brombeere (Rubus fruticosus) dominiert. In Teilen der "Pfege Schönau" wächst eine zweite Baumschicht aus Walnuss (Juglans regia).
An Weg- und Straßenrändern finden sich kleine Flächen mit Ruderalvegetation. Diese bestehen vorwiegend aus quecken- und glatthaferreicher Vegetation (Klasse Agropyretea-intermedii-repentis), aus Krauser Distel (Carduus crispus) und Gewöhnlicher Hundszunge (Cynoglossum officinale). Im Pferdstrieb ist auch die seltene Gesellschaft des Schmalflügeligen Wanzensamens (Bromo-Corispermetum-leptopteri) vertreten. Gebüsche und Saumvegetation wie die Sonnenröschen-Hügelmeister-Gesellschaft (Helianthemum-obscurum-Asperula-cynanchica-Gesell-schaft) an den Rändern der Waldgebiete sind ebenfalls kleinflächig. Insgesamt fand BREUNIG (1994) ...363 Sippen an Farn- und Blütenpflanzen, 322 davon auf dem Pferdstrieb und 215 auf der Pflege Schönau. 54 Arten stehen auf der Roten Liste Baden-Württembergs, 14 davon in den Kategorien 1 oder 2.
Die Kopie der Artenliste befindet sich im Anhang.
Pilzflora:
Nach einer Bestandsaufnahme von WINTERHOFF 1993/94 leben auf den Sandhausener Dünen 695 Pilzarten, davon 61 in Baden-Würtemberg gefährdete Großpilzarten. 30 werden als "stark gefährdet" oder "vom Aussterben bedroht" eingestuft.
Die Kopie der Artenliste befindet sich im Anhang.
3.3. Fauna:
Die Fauna der Sandhausener Dünen ist an trocken-heiße Standortbedingungen angepasst. Viele Tiere benötigen auch lockeren Sandboden, um Höhlen als Wohnstatt oder Nistplatz zu bauen. Typischer Bewohner der Flugsandgebiete unter den Säugetieren ist das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus). Einzige an die speziellen Bedingungen des Standorts angepasste Vogelart ist die am Boden brütende Haubenlerche (Galerida cristata). Vor allem für Insekten und Spinnen stellen die beiden NSG einen wichtigen Lebensraum dar. Beide Schutzverordnungen heben dies hervor.
Abb.3 Blauflügelige Ödlandschrecke. Der blaue Anteil der Flügel ist allerdings nur im entfalteten Zustand der Flügel sichtbar.
Der Anteil gefährdeter Arten gemäß der Roten Liste Baden-Würtembergs betrug mit 49 Arten nahezu ein Drittel. Manche Stechimmen sind aufgrund ihrer starken Spezialisierung sehr selten geworden. So ist z. B. die Spargelbiene (Andrena chrysopus) auf den wildwachsenden Spargel (Asparagus officinalis) als einzige Pollenquelle angewiesen. Auf den reichlich in der Umgebung angebauten Zuchtspargel kann die Biene nicht umsteigen, da dieser in der Flugzeit der Spargelbiene geerntet wird und erst später zur Blüte kommt. Viele Stechimmen bauen Bruthöhlen oder nutzen den Sand wie z. B. der Ameisenlöwe (Myrmeleon formicarius) zum Jagen. Schnelle Jäger sind auch die Springspinnen (Salticidae), die eine typische Spinnenfamilie der Sanddünen darstellen. Sie bauen kein Fangnetz, sondern sind freijagend auf dem offenen Sandboden unterwegs. Die Heuschreckenfauna ist ebenfalls an die trocken-heißen Standorte angepasst. Besonders auffällig ist die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), die sich auf den offenen Sandflächen wohl fühlt. Sie ist gut getarnt, solange sie sich nicht bewegt. Erst im Flug werden ihre blauen Flügel sichtbar. 1994 fand KRÜSS auf den Sandhausener Dünen 14 Heuschreckenarten. Davon steht die Hälfte auf der Roten Liste Baden-Württembergs.
4. Pflege:
Hauptziel aller Pflegemaßnahmen in den beiden NSG ist die Erhaltung der Sandrasengemeinschaften. Da diese sich aber ohne Eingriffe im Zuge der Sukzession über Schafschwingel-Trockenrasen und Verbuschungsstadien bis zu Waldvegetationen entwickeln würden, ist eine Pflege der NSG unerlässlich. Diese besteht vor allem darin, offene Sandflächen zu schaffen.
Es existiert zur Zeit kein Pflege- und Entwicklungsplan für die Sandhausener Dünen. Frau ROHDE, die im Rahmen ihrer Tätigkeit als Projektmanagerin für die Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege (BNL) in Karlsruhe für die Sandhausener Dünen verantwortlich ist, erklärte, ein Pflegeplan sei im Rahmen des europäischen Natura 2000 Netzes gerade in Bearbeitung. In der Vergangenheit wurden verschiedenste Pflegemaßnahmen mit unterschiedlichem Erfolg eingeleitet.
4.1. Maßnahmen der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege:
NSG Pferdstrieb
Da der nördliche Teil des Pferdstriebs bereits 1963 eingezäunt wurde, konnte dort die Sukzession ungehindert fortschreiten. 1987 veranlasste die BNL zunächst die Mahd der mit dem Flaumhafer (Helictotrichon pubescens) vergrasten und verfilzten Flächen. Das Mähgut wurde jeweils nach einer Woche abgefahren. Diese Maßnahme diente der Nährstoffreduzierung, schaffte aber keine offenen Sandflächen. Dennoch wurde sie bis 1991 ein- bis zweimal pro Jahr wiederholt. Desweiteren wurde in diesem Zeitraum Robinie (Robinia pseudoacacia), Jungwuchs der Waldkiefer (Pinus sylvestris) und der Schlehe (Prunus spinosa), Brombeere (Rubus fruticosus), Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) und Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria) entfernt und die Bestände der Gemeinen Nachtkerze (Oenothera biennis) stark reduziert.
Im Winter 1987/88 wurde auf zwei Versuchsflächen von 5 x 10 m Größe der Oberboden abgetragen. Nachdem sich darauf im folgenden Jahr etliche Sandrasenarten angesiedelt hatten, entschloss sich die BNL zu einer sehr umstrittenen und unpopulären Pflegemaßnahme: Sie ließ im Winter 1989/90 von einem großen Teil der grasreichen Fläche den Oberboden mit Hilfe einer Moorraupe bis zu 25 cm tief abtragen. Um die Vegetationsentwicklung der abgeschobenen Flächen zu verfolgen, wurden 5 Dauerbeobachtungsstellen von jeweils 4 x 2 m eingerichtet. Diese wurden zuletzt 1997 kartiert. Die Ergebnisse sind aber noch nicht veröffentlicht.
Der frei zugängliche Südteil des Pferdstriebs wurde vor allem durch die starke Erholungsnutzung beeinträchtigt. Um die Trittbelastung zu vermindern, ließ die BNL1990 kniehohe Handläufe aus Holz zur Besucherlenkung bauen. Außerdem wurde im selben Jahr ein alter Schuppen abgebrochen und auf dessen Grundfläche ebenfalls der Oberboden mit schwerem Gerät abgetragen.
NSG "Pflege Schönau-Galgenbuckel"
Teile der Pflege Schönau mussten 1988 eingezäunt werden. Auch hier war die Trittbelastung durch Besucher zu groß gewesen, da die freie Fläche als Fußballplatz genutzt wurde. Um die Verbuschung zu verhindern, werden seitdem dort regelmäßig Jungwuchs von Kiefern, Robinien, Pfaffenhütchen und Gemeine Nachtkerze entfernt.
4.2. Der Dünenputz:
Abb.4: Schüler des Friedrich-Ebert-Gymnasiums sowie freiwillige Helfer der
Jungen Sammler (Junge Briefmarkenfreunde Sandhausen-Weingarten) beim Dünenputz.
Auch außerhalb des Schutzgebietes auf dem angrenzenden Spielplatz an der Brühlstraße wurden die Robinien gefällt und eine Ersatzpflanzung aus heimischen Gehölzen angelegt. Durch Informationen im Amtsblatt, Einladungen zur Beteiligung am Dünenputz und Exkursionen versucht man, die Sandhausener Bevölkerung in die Aktion zu integrieren.
Heute wird der Dünenputz immernoch regelmäßig Dienstag und Freitag nachmittags mit Schülern durchgeführt. Er konzentriert sich nun auf den südlichen Teil des Pferdstriebs. Die Schüler haben im Jahr 2001 zwei Korridore mit offenem Boden angelegt, um die Ausbreitung der Sandrasenvegetation zu fördern. Dr. Manfred LÖSCHER, Erdkundelehrer am Sandhausener Gymnasiums, organisiert seit über 20 Jahren den Dünenputz. Nach seinen Angaben werden von den Schülern heute etwa 2500 Arbeitsstunden im Jahr erbracht. Allerdings werden mittlerweile massiv Arrestanten zum Dünenputz herangezogen.
Anm. d. Webseiten-Betreuers: Heuer findet der Dünenputz noch außerhalb der Hauptvegetationsperiode Dienstags mit Schülern statt. Aktionsort ist die Böschung des südlichen Dünenabschnittes der "Düne Pferdstrieb".
4.3. Auswirkungen der Pflegemaßnahmen:
Die Entwicklung der Vegetation infolge der Pflegemaßnahmen der BNL wurde mit Hilfe der Dauerbeobachtungsflächen dokumentiert. Die Pflegeeingriffe hatten insgesamt positive Effekte auf die Sandrasenvegetation. Die Befürchtung, durch den Oberbodenabtrag könnten sich Ruderalkulturen etablieren und Dominanzbestände bilden, hat sich nicht bestätigt. BREUNIG (1994) resümiert: "Die wichtigsten Standortveränderungen sind Verringerung der Trittbelastung durch Einzäunung und Besucherlenkung, Eutrophierung durch Stoffeinträge aus der Luft und von angrenzenden Flächen, Stickstoffbindung im Boden der Robinienbestände durch Knöllchenbakterien sowie Veränderungen der Böden und des Bodenwasserhaushaltes durch Humusanreicherung (...). Durch Oberbodenabtrag im Dezember 1989 entstanden auf dem "Pferdstrieb" offene Sandflächen, auf denen sich inzwischen [1994] Initialbestände von Sand- und Trockenrasen entwickelt haben. "
Seiner Einschätzung nach "(...) sind ohne Pflegeeingriffe die noch vorhandenen Bestände auf Dauer nicht zu halten. Dies gilt in besonderem Maße für die typische Ausbildung und das Initialstadium der Filzscharten-Blauschillergrasgesellschaft, die als stark gefährdet eingestuft werden müssen."
Auswirkungen der Pfegemaßnahmen auf die Pilzflora sind nicht dokumentiert.
Die Veränderungen der Fauna durch die Pflegemaßnahmen der BNL werden insgesamt als positiv gewertet. Die Heuschreckenpopulationen entwickeln sich nach KRÜSS (1994) durch die Schaffung von offenen Sandflächen sehr gut. Auch die Stechimmen profitieren deutlich durch die Zunahme an Nistmöglichkeiten. Die Populationen der Kreiselwespe (Bembix rostrata) und des Sand-Steppenbienchens (Nomioides minutissimus) verzeichnen einen deutlichen Zuwachs. Viele seltene Spinnen- und Käferarten bevorzugen ebenfalls offene Sandflächen. Einzig die Mesofauna wurde duch den Oberbodenabtrag 1990 empfindlich gestört. Bei einer Untersuchung 1994 hatte sich auch 4 Jahre nach dem Abtrag "keine dem Initialstadium der Silbergrasgesellschaft entsprechende Zoocoenose" ausgebildet.
Die Auswirkungen der Pflege durch die "Dünenputztruppe" ist nicht wissenschaftlich dokumentiert. Nach meiner Einschätzung trägt deren Arbeit in erheblichem Maße zur Schaffung kleiner, offener Sandflächen und damit zur Erhaltung der Sandrasenvegetation bei. Auf dem in den letzten Jahren bevorzugt bearbeiteten Südteil des NSG "Pferdstrieb" war im Sommer 2001 weitläufig Filzscharten-Blauschillergrasgesellschaft vertreten. Auffällig war das häufige Vorkommen von Blauflügeliger Ödlandschrecke und Kreiselwespe.
5. Beeinträchtigungen:
Die Sandhausener Dünen sind trotz ihrer Unterschutzstellung gefährdet. Sie befinden sich in der Nähe von Heidelberg in mitten des prosperierenden Rhein-Neckar-Raumes. Die Bevölkerungsdichte nimmt hier stetig zu und daraus ergeben sich folgende Probleme:
Die steigende Freizeitnutzung beeinträchtigt die Gebiete zunehmend. Offene Flächen zur Freizeitnutzung sind rar in der Umgebung. Deshalb werden die beiden Naturschutzgebiete als Spiel- und Sportplatz und zum Lagern genutzt. Die Einzäunung des nördlichen Teils des "Pferdstriebs" verhindert dies dort. Im südlichen Teil werden die Holzbarrieren an den Wegrändern allerdings kaum beachtet und immer wieder zerstört. Der Zaun um die unbewaldeten Flächen der "Pflege Schönau" ist an mehreren Stellen kaputt oder sehr einfach zu überwinden. Der frei zugängliche Teil des NSG ist fast vollständig bewaldet. Hier ist ein Trimm-Dich-Pfad angelegt. Verschiedene Sportgeräte säumen die Wege. Außerdem werden die Naturschutzgebiete wegen ihrer unmittelbaren Nähe zu der Gemeinde Sandhausen intensiv von Hundebesitzern als Auslauf für ihre Tiere genutzt. Das Gebot, Hunde an der Leine zu führen, wird wenig beachtet. Die Zerstörung durch Tritt und "Buddeln" ist erheblich.
Zudem ist das Biotop einer ständigen Belastung durch Müll ausgesetzt. Dadurch werden Schadstoffe und Nährstoffe in die Gebiete gebracht. Es kommt zur Eutrophierung der nährstoffarmen Böden. Der Stickstoffhaushalt wird auch durch die hohe Zahl an Robinien gestört. Diese sind mit Hilfe von Knöllchenbakterien in der Lage, Luftstickstoff zu binden und förden auf diese Weise die Verbreitung nitrophiler Arten wie die Brombeere.
Der Bevölkerungsdruck wirkt auch durch die zunehmende umliegende Bebauung negativ auf die Dünen. Der nördliche Teile des "Pferdstriebs" grenzt an zwei Seiten (W,N) direkt an die Gärten der umliegenden Ein- bis Mehrfamilienhäuser. Die Einwanderung von ortsuntypischen Gartenpflanzen in das Gebiet ist kaum zu verhindern. An der Ostseite befindet sich ebenfalls ein Baugebiet. Die Bauvorhaben dort waren im Herbst 2001 etwa zu einem Viertel fertiggestellt. Im Süden trennt eine Straße die beiden Dünenteile. Der Südteil des "Pferdstriebs" wird an seiner Süd-Ost-Seite durch die vielbefahrerne L 598 begrenzt. Lediglich im Westen ist das Gebiet "nur" durch einen breiten asphaltierten Waldweg von dem daneben liegenden Wirtschaftswald getrennt.
Die "Pflege Schönau" befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Sandhausener Neubaugebiet "Galgenbuckel". Im Sommer 2001 wurde im Süden des Gebietes gerade der Friedhof beträchtlich erweitert. Die wachsende Besiedelung engt die Naturschutzgebiete immer mehr ein. Dies hat nicht nur direkte Folgen in Form von Flächenverbrauch, sondern auch Auswirkungen auf die Verkehrswegesituation. Sie erhöht zudem die Immisionen (Luftschadstoffe, Lärm, Licht) durch Haushalte, Gewerbe und Verkehr und verändert das lokale Klima.
Die dichte Bebauung trägt erheblich zur Isolation der Dünengebiete bei. Von den Sandrasengebieten des Oberrheingrabens sind durch vielfältige Zerstörungen heute nur noch Inselbiotope übriggeblieben. ROHDE (1994) schreibt über den derzeitigen Zustand der Sandrasen in Nordbaden: "Obwohl die Sandrasen in Flugsandgebieten und auf Binnendünen zu den vom Mittelalter bis zum Beginn dieses Jahrhunderts (20. Jhd) allgegenwärtigen Biotopen des Rhein-Neckar-Raumes gehörten, sind heute neben den Sandhausener nur noch wenige vorhanden. Deren effektiver Schutz erweist sich als sehr schwierig."
Durch die Isolation der kleinen Sandrasengebiete wird die Sukzession zu einem weiteren Problem. Im Zuge der Entwicklung der Pflanzengesellschaften würde unter natürlichen Bedingungen die Sandrasenvegetation von Trockenrasen, Verbuschungsstadien und schließlich Bewaldung abgelöst werden. Die Sukzession kann nur durch intensive Pflegemaßnahmen aufgehalten werden. Für fachkundiges Pflegepersonal fehlen der BNL die finanziellen Mittel. Die Pflege durch die Schülergruppen ist nicht immer fachgerecht. Herr LÖSCHER erklärte mir auf die Frage, wie er seinen Schülern beibringt, welche Pflanzen zu entfernen seien und welche nicht: "Alles Großblättrige sind keine Sandrasenpflanzen, alles Kleinblättrige bleibt."
Zudem lässt der Lehrer die herausgerissenen Pflanzen an mehreren Stellen im Naturschutzgebiet verbrennen. Die Nährstoffe werden damit dem Boden durch Ascheverflug wieder zugeführt. Die große Zahl der Arrestanten beim Dünenputz und der für meine Begriffe militärische Ton des Lehrers tragen nicht gerade zur Motivation der Gruppe bei.
6. Lösungsansätze:
6.1. Schonende und informative Freizeitnutzung:
Die Naturschutzgebiete einzuzäunen und damit der Öffentlichkeit zu verschließen ist die drastischste Maßnahme zum Schutz der Gebiete vor Beeinträchtigungen durch Freizeitnutzer. Da sich Besucher (und deren Hunde) offensichtlich nicht anders davon abhalten lassen, die Wege zu verlassen, sollten die Zäune dies auch tatsächlich verhindern. Der Zaun der Pflege Schönau sollte repariert werden. Ich finde auch, dass die Besucher deutlicher auf Verhaltensregeln in den Naturschutzgebieten hingewiesen werden sollten. Die Informationstafeln sind alt, schlecht zu lesen, wenig informativ und die Ausdehnung der Naturschutzgebiete ist aus diesen kaum abzuleiten. Die Schilder müssten dringend erneuert werden.
6.2. Müllentsorgung:
Meiner Meinung nach sollten an den Grenzen und an Ruhebänken Mülleimer aufgestellt und regelmäßig geleert werden. Die Abfallablagerung hängt direkt mit der abendlichen Nutzung als Lagerplatz zusammen. Solange diese nicht unterbunden wird, kann man das Müllproblem nur mit der Möglichkeit zur ordnungsgemäßen Entsorgung mindern.
6.3. Begegnung der Sukzession und Eutrophierung durch Pflege, die Spaß macht:
Wie oben ausgeführt, kann der Schutzzweck, nämlich die Erhaltung der Sandrasengesellschaften auf den Dünen nur mit intensiver Pflege erreicht werden. Die regelmäßige Pflege des BNL ist aufgrund fehlender Finanzen mangelhaft. Das Engagement der "Dünenputztruppe" ist dagegen ein enormes Potential zur Erhaltung der Biotope. Die Gruppe erfüllt folgende Funktionen:
Die Schüler verhindern mit ihren Pflegeeinsätzen die Verbuschung der Sandrasen und schaffen offene Sandflächen.
Das Projekt bietet die Möglichkeit einer langfristigen, praxisorientierten Umwelterziehung.
Mit Hilfe der Dünenputztruppe lässt sich die Sandhausener Bevölkerung für die Probleme der Dünenbiotope sensibilisieren.
Zu den Pflegearbeiten selbst hätte ich folgende Vorschläge zu machen: Die Schüler sollten sich auf die Entfernung leicht erkennbarer Pflanzen konzentrieren. Sie sollten vor allem der Einwanderung der Robinien durch Wurzelausläufer Einhalt gebieten und Gehölze wie Brombeere und Pfaffenhütchen entfernen. Das Schnittgut sollte aus dem Gebiet entfernt werden, um dem Boden Nährstoffe zu entziehen. Die Verbrennung an Ort und Stelle halte ich nicht für sinnvoll.
Die Umweltbildung sollte meiner Meinung nach einen größeren Stellenwert erhalten. Ich denke, die Methode, den Dünenputz als Bestrafung der Schüler zu etablieren, führt nicht zu einem nachhaltigen Interesse an der Erhaltung der Naturschutzgebiete. Hier könnten BNL und das Lehrerkollegium des Sandhausener Gymnasiums sehr viel besser zusammenarbeiten. Die mangelnde Umweltbildung der Schüler liegt nicht zuletzt am geringen ökologischen Wissen der Lehrer. Es wäre sicherlich sinnvoll, wenn das BNL eine Lehrerfortbildung organisieren würde.
Die Öffentlichkeitsarbeit finde ich im Großen und Ganzen gut. Es besteht aber auch hier die Möglichkeit, die Schüler mehr einzubeziehen. Ich könnte mir z. B. vorstellen, das Erlernen von neuen Medien an das Thema "Dünenputz" zu koppeln.
Die Chance, mit Hilfe der bestehenden Organisationsstrukturen eine sinnvolle, effektive und zugleich spaßige Pflege aufzubauen, ist einfach zu gut, um sie sich entgehen zu lassen.
6.4. Minderung der Folgen der Bebauung:
Leider konkurrieren die Bauherren erfolgreich um Flächen, die dringend zur Erweiterung der NSG oder deren Verbund gebraucht würden. Die Folgen der Bebauung könnte aber mit der Schaffung bzw. Erhaltung möglichst vieler auch sehr kleiner Sandrasenflächen gemindert werden (siehe dazu auch Kapitel 6.5 Biotopverbund).
Durch die unmittelbar angrenzende Bebauung werden leicht Neophyten bzw. Neozoen eingeschleppt. Ich denke, diesem Problem könnte mit verbesserter Information der Nachbarschaft über standortgerechte Bepflanzung begegnet werden.
6.5. Biotopverbund:
Gerade weil Sandrasen heute nur noch auf so kleinen Flächen vorkommt, wird der Verbund der letzten Gebiete um so wichtiger. Leider sind die letzten Sandrasenflächen zunehmender Isolation ausgesetzt. Die nächsten Habitate liegen bei Brühl (Rohrhofer Düne) und Schwetzingen (NSG Hirschacker), etwa 10 km entfernt. Sehr kleinräumig kommen Sandrasen auf dem Oftersheimer Dünenzug, der ansonsten leider als Golfplatz genutzt wird, und an Wegrändern im gesamten Schwetzinger Hardt vor.
Das Konzept des Biotopverbunds steht nach JEDICKE (1994) auf vier Beinen:
Großflächige Lebensräume
Trittsteine zwischen den Inseln
Korridore als Wanderwege
Nutzungs-Extensivierung
Anhand dieser Forderungen werden im Folgenden die Möglichkeiten eines Biotopverbunds der Sandrasen diskutiert.
Die Größe eines Biotopes hat nach MACARTHUR & WILSON (1963) entscheidenden Einfluss auf dessen Biodiversität. Die beiden NSG haben zwar insgesamt eine Größe von 37,2 ha, die Flächen mit Sandrasenvegetation sind allerdings auf ca. 12 ha begrenzt, wobei sich etwa 7 ha in "Pferdstrieb" und etwa 5 ha in der "Pflege Schönau" befinden. Nach Aussagen des DEUTSCHEN RATS DER LANDSCHAFTSPFLEGE (1983) beträgt die Mindestgröße für Dünenbiotope 5 ha. FOSTER (1980) dagegen hält alle Gebiete unter 100 ha für Zoos oder Botanische Gärten. Die Erweiterung der NSG ist äußerst unwahrscheinlich. Sie werden im Gegenteil ständig durch Neubau von Wohngebieten und Straßen bedrängt.
Als Trittsteine könnten kleine Sandrasenflächen fungieren. Zur Zeit werden diese Flächen allerdings schnell durch Begrünung beseitigt, da das Baden-Württembergische Naturschutzgesetz in §2 (9) vorsieht: "...unbebaute Flächen, deren Vegetation beseitigt worden ist, sollen möglichst rasch und weitgehend standortgemäß bepflanzt werden." Außerdem fehlen der BNL die finanziellen Mittel zum Flächenerwerb in teuren Wohngebieten.
Die Möglichkeit, Korridore als Wanderwege einzurichten, hat da schon bessere Chancen. Offene Sandflächen an Straßen- und Wegrändern zu schaffen, ist meiner Meinung nach von Jedickes vier Forderungen am leichtesten zu realisieren. Durch den mit Dünensand bedeckten Schwetzinger Hardt ziehen sich 2 BABs, ein Bundesstraße, eine Landesstraße, mindestens 8 kleinere Straßen, eine Bahnstrecke und die Motodromstrecke des Hockenheimer Rings. Es sollte versucht werden, das kleinflächige Abschieben des Oberbodens der Straßenböschungen mit Hilfe der Straßenbauämter zu organisieren. Ob die Möglichkeit der Schaffung von Korridoren allerdings höher zu bewerten ist als die zerschneidende Wirkung der Straßen, bleibt eine akademische Frage.
Die vierte Bedingung zum Biotopverbund ist die Extensivierung der umgebenden Land- und Forstwirtschaft. Rings um den Schwetzinger Hardt werden vorherrschend Spezialkulturen, vor allem Spargel angebaut. Eine Extensivierung ist deshalb nach meiner Ansicht schwer durchsetzbar. Der Wald wird dagegen mit steigender Bevölkerungsdichte zunehmend als Freizeitraum genutzt. Ich denke, eine Extensivierung der Forstwirtschaft ist deshalb langfristig leichter zu bewerkstelligen.
Insgesamt schätze ich die Möglichkeiten eines großräumigen Biotopverbundes der Sandrasen als gering ein. Die kritische Verbunddistanz für Trockenrasen, Sand- und Felsfluren gibt RIESS (1986) mit 1-3 km an. Selbst die Verbindung zwischen dem "Pferdstrieb" und der "Pflege Schönau", die nur ca. 1,5 km weit auseinander liegen, ist schwierig. Die Bebauung der dazwischen liegenden Gemeinde Sandhausen wird zunehmend dichter. Ohne "Trittsteine" sind diese Entfernungen für die meisten flugunfähigen Tiere und nicht windverbreiteten Pflanzenarten unerreichbar. Frau ROHDE, die Koordinatorin der Sandhausener Dünen, schloss sich dieser Meinung an.
6.6. Dokumentation:
Die Dünenvegetation kann sich innerhalb weniger Jahre rapide verändern. Deshalb sollten die bereits bestehenden Dauerbeobachtungsflächen regelmäßig kartiert werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollten veröffentlicht werden.
Ungelöste Fragen:
Ist ein wirksamer Biotopverbund möglich ?
Wie lässt sich die Besucherlenkung gestalten, ohne dass die NSG Schaden nehmen ?
Wie wird in Zukunft die Pflege der NSG organisiert und durchgeführt ?
8. Fazit:
Die Sandrasen gehören zu den am stärksten gefährdeten Pflanzengemeinschaften in der BRD. Sie kommen nur noch sehr kleinflächig vor und sind deshalb unbedingt schützenswert. Es ist sicher möglich, die noch vorhandenen Flächen mit intensiver Pflege in ihrem Zustand zu erhalten. Aber ohne einen wirksamen Biotopverbund verkommen die letzten Sandrasenstandorte zu Botanischen Gärten oder Museen. Stattdessen sollten sie Startpunkte für die Besiedelung geeigneter Flächen in der Umgebung sein. Meiner Meinung nach können die Sandhausener Dünen außerdem eine hervorragende Rolle bei der Umweltbildung in dieser Region spielen. Hier kann Naturschutz zum Anfassen gelernt werden.
9. Zusammenfassung:
Die beiden Naturschutzgebiete der Sandhausener Dünen "Pferdstrieb" und "Pflege Schönau-Galgenbuckel" sind zum Schutz der seltenen Sandrasenflora und -fauna eingerichtet worden. Auf den unbewaldeten Flächen ist die Filzscharten-Blauschillergrasgemeinschaft vorherrschend. Der Wald besteht aus Waldkiefern und Robinien. 54 Pflanzen- und 61 Pilzarten stehen auf der Roten Liste Baden-Württembergs. Die Naturschutzgebiete bieten Lebensraum für zahlreiche seltene Tiere, insbesondere thermophile Spinnen und Insekten.
Die Pflegemaßnahmen werden von der Bezirksstelle Naturschutz und Landschaftspflege in Karlsruhe und der privaten Initiative "Dünenputz" durchgeführt. Letztere besteht hauptsächlich aus Schülern und Lehrern des Sandhausener Gymnasiums. Das Hauptziel der Pflege ist die Erhaltung der Sandrasen durch Schaffung von offenen Sandflächen und Entfernung der Gehölze. Diese würden ohne Pflege im Laufe der Sukzession verbuschen. Zu diesem Zweck wurde im Winter 1989/90 von einer großen Fläche des "Pferdstriebs" der Oberboden entfernt. Weitere Ziele der Pflege sind die Besucherlenkung durch Zäune und Holzbarrieren und die Abfallentfernung.
Die wichtigsten Beeinträchtigungen der Naturschutzgebiete sind:
Isolation
dichte Bebauung in unmittelbarer Nähe der Schutzgebiete
Freizeitnutzung
Abfall
Eutrophierung
Sukzession
Die Lösung für diese Probleme liegt zum Teil in einer gezielten, sinnvollen, aber arbeitsaufwendigen Pflege. Diese könnte an Bildungsangebote gekoppelt werden. Der Biotopverbund der letzten nordbadischen Sandrasengebiete ist äußerst schwierig.