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18.09.2004

...Auf einer Radtour alle Schutzgebiete besucht...

Da sich trotz bestem Wetter nur vier Personen einfanden, wurde diese Gelegenheit am Schopfe gepackt. Entsprechend den Wünschen der Teilnehmer einigte sich die Gruppe schnell auf eine Rundfahrt zu allen Sandhäuser Schutzgebieten. Der Weg nach Oftersheim wurde ausgespart. Frau Ulrike Rohde führte also rund vier Stunden über Dünen, in stillgelegte Sandgruben, auf ehemalige "wilde" Bolzplätze.

Im eingezäunten Teil der Düne "Pferdstrieb" waren bald die in Deutschland sehr seltene Silberscharte in sehr großer Anzahl zu bestaunen. In Fluren mit Silbergras und Schillergras präsentiert sich die Distelähnliche Pflanze hier in diesem ältesten nordbadischen Naturschutzgebiet. Was für eine Rolle einzelne Eichen, Brombeerpflanzen und auch der Pflegetrupp der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege spielen wurde an diesem in der Rheinebene sehr erhabenen Dünenabschnitt klar erklärt.

Im südlichen Teil der Düne "Pferdstrieb" fiel schnell das noch schon blühende Bergsteinkraut ins Auge. Mit Moosen, Flechten und vielen einjährigen und zweijährigen Pflanzen bietet sich dem Naturfreund hier ein derzeit farbenfrohes und strukturreiches Bild auch auf der Abbausohle am Ende der Straße "Am Forst".

Unterschiedliche Nutzungsarten und Pflegevarianten auf den nebeneinanderliegenden Arealen und der durch Sandumlagerung bedingte unterschiedliche Bodenchemismus sorgen für diese entsprechend starken reizvollen Nuancen im Erscheinungsbild der Abbausohle. Quer durch den Sandhäuser Hardtwald radelten die Naturbegeisterten zum Naturschutzgebiet "Zugmantel-Bandholz" weiter. Die noch frisch von unter anderem Brombeeren, Robinien, Nachtkerzen dicht zugewachsene Nordböschung der ehemaligen Sandgrube wurde begutachtet.

An den nun wieder viel offeneren Steilen Hängen erwartet man vermehrt seltene Pionierpflanzen, begleitet von entsprechenden Wildbienenarten einigen anderen Insekten, und noch mehr Arten, die von solch in Mitteleuropa viel seltener gewordenen offenen, steilen Sandpartien sehr stark abhängig sind.

Hingewiesen wurde auch auf die Problematik der derzeit nicht einschätzbaren illegal in den Boden eingebrachten Altlasten. Chemischer und anderer Natur sind die Abfälle, die seit den achtziger Jahren bis heute viele nachhaltige Pflegemaßnahmen im Sinne des Artenschutzes blockieren. Stark wechselnde Wasserstände auf der Abbausohle dieser ehemaligen Sandgrube würden sonst noch mehr eine sehr große Rolle für viele der bedrohten und gänzlich in Deutschland unter Schutz stehenden Amphibien darstellen. Auch für Wasservögelund langfristig gesehen für Zugvögel wäre dieses Biotop ein hoffnungsträger im Artenschutz.

Die letzte Etappe der Fahrradtour über und zu den Sandhäuser Dünen führte zum westlich vom Ort gelegenen Galgenbuckel. Steppenroller wie sie aus vielen Wildwestfilmen bekannt sind wurden ins Visir genommen. Das Ruthenische Salzkraut (die "Steppenhexe") konnte hier in seiner Erscheinungsform mit dem ähnlichen Wanzensame verglichen werden. Ganz praktisch dem Wanzensame zugetan, erklärte Frau Rohde genau "den" Unterschied zwischen dem Grauen und Schmalflügeligen Wanzensame, die hier derzeit auffälliger Weise beide rötliche bis rote Stängel haben.

In den vergangenen zwei Jahren fanden auf diesem Sandtrockenrasen Pflegemaßnahmen durch viele fleißige Kinder des kommunalen "Waldkindergarten" und einer kleineren Arbeitsgruppe mit Helfern aus dem Wohnhaus der Lebenshilfe e. V. statt. Neben diesen von Naturschutzwart Thomas Hartmann geleiteten Pflegeaktionen legte der Trupp der Forstverwaltung mit Forstrevierleiter Andreas Kolb kräftig Hand an. Eine recht positive Entwicklung, so konnte nun bei dieser Exkursion festgehalten werden, ist vorzufinden. Seltene Arten haben die von wurchernden Brombeeren und schattigen Robinien befreiten Randzonen wieder in Anspruch genommen. Im benachbarten Schutzgebiet "Pflege Schönau" wurden weitere sehr spezielle Pflegemaßnahmen erklärt.

Um kulinarisch geartete hungrige Kaninchen, die Sand-Strohblume und kleine umzäunte Areale ging es dabei. Aber eben auch darum, dass nur kurz nach der Zauninstalation zum Schutz der kleinen extrem seltenen Strohblumen-Art diese ausblieb. Was ist der Grund für diese seltsame Entwicklung? Ein bisher unbekannter Vegetationsrhythmus? Eine Überempfindlichkeit der Sand-Strohblume gegenüber Metallionen aus dem Zaun? Die wirkliche Antwort erfährt jeder Neugierige wolh am schnellsten, wenn er regelmäßig an den hier angekündgten Exkursionen zur "Pflege Schönau" teilnimmt.

Foto oben: Silberscharte (Jurinea cyanoides)


Gras ist nicht gleich Gras: Gesellschaften mit dem seltenen Blauschillergras (Koeleria glauca) lassen dem Trockenrasen-Freund das Herz höher schlagen.


Kein Trockenrasen wächst in ihrem Schatten. Dennoch als Augenweide geschätzt: Einzeln stehende schon stattliche Eichen (Quercus sp.)


Noch im späten Sommer blüht es herrlich leuchtend gelb: das Berg-Steinkraut (Alyssum montanum), hier mit einem Besucher


Die Sandhänge im Gebiet Zugmantel-Bandholz sind in ihrer Art selten und bedürfen derzeit der unbedingten Pflege, wenn sich die darauf angewiesenen bedrohten Arten ansiedeln und erhalten sollen.


Alle Paar Jahre muss an vielen Randzonen der offenen Trockenrasen in Sandhausen der Robinien-Jungwuchs (Robinia pseudoacacia) entfernt werden. Sonst droht durch Sukzession das baldige aus für zig sehr seltene Arten. Im Bild sieht man Mitglieder der Lebenshilfe mit einer etwa 15 Meter langen (ohne Seitenausläufer gemessen!)aus dem Boden gezogenen Robinienwurzel. Diese Wurzeln können unter Umständen wuchernd zahlreiche Schößlinge bilden, die in etwa fünf Jahren mehrere Quadratmeter Trockenrasen maßgeblich beeinträchtigen können.


Eine der zwei seltensten Arten im Land: Die Sandstrohblume (Helichrysum arenarium)

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