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NSG Düne Pferdstrieb

Erinnerungen an das Militär

Die Wege im Naturschutzgebiet nicht zu verlassen, ist eigentlich selbstverständlich. Doch außer dem Artenschutz als Grund, bleibt noch zu sagen, dass manches Erinnerungsstück aus der Zeit militärischer Übungen das Begehen und Hantieren im Dünensand zum Roulette werden lassen kann. Im Jahr 2002 war es nicht das erste Mal, dass Kinder vermeintlich explosives sicherlich jedoch hochgiftiges Material bei Pflegemaßnahmen in die Hände bekamen.

Drei laut Waffenexperten aus Militärbeständen stammende Sprengkörper lagen - noch zündfähig - wenige Zentimeter unter der Sandoberfläche. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden diese rostigen bzw. teils stark oxidierten handlichen Stücke von Schülern einem anwesenden Naturschutzwart überreicht. Da neben Militärfahrzeugen einige Jahre später auch Kraftwagen zum Abtransport von Sand auf dieser Fläche fuhren und die Gegenstände auch diesbezüglich dem Aussehen nach für "normale", ältere Zündkerzen gehalten wurden, hatte man diese erst als "gesammelte Werke" einem technisch versierten Menschen gezeigt, der "im besten interessanten Falle" von Jahrzehnte alten Bauteilen von Militärfahrzeugen sprechen könnte. "Diese bereits bestimmten Teile", so die Schüler, "überreichen wir dann umso lieber dem Heimatmuseum". Klar erkannte der auch Waffenkundige diese "Zündkerzen" als doch nicht fürs Heimatmuseum tauglich - kassierte sie sofort auf nimmerwiedersehen zur fachgerechten Entsorgung ein. Dieser Sprengkörperexperte aus Heidelberg teilte dem Naturschutzwart im September 2002 weiter mit, dass eine der sogenanten "Zündkerzen" zum Zeitpukt des Auffindens im Naturschutzgebiet durchaus in der Lage gewesen wäre, bei leichtfertigem Umgang eine Explosion und dadurch tödliche Verletzungen herbeizuführen. Ein mäßiger Schlag mit einem Gartengerät hätte auf jeden Fall genügen können, so der Experte.

Eine der Zündvorrichtungen enthielt ein ihrer Bauart entsprechend übliches stark giftiges Quecksilbersalz. Die Fundstücke wurden bei der Herstellung mit TNT gefüllt und setzten sicherlich beim Korrodieren im Dünensand Bleiazide in den Boden frei. TNT, steht für Trinitrotoluol. Diese Chemikalie gilt als krebserregend und hochgiftig. Azide sind als hochgiftig und leider auch wasser-/ umweltgefährdend einzustufen. Es sollte davon ausgegangen werden, dass weitere Exemplare derartiger Zündkörper im Sand vorkommen. Die höhere Naturschutzbehörde wurde nach der Bestimmung der Objekte sofort informiert. Der genaue Fundort wird nicht bekannt gegeben. Sofern in den Naturschutzgebieten die Hunde an der Leine geführt werden und niemand die Wege verlässt, besteht keine Gefahr für Leib und Leben von Mensch oder hier mitgeführten Haustieren. Das Verlassen der Wege ist ohnehin laut Schutzgebietsverordnung verboten.
Thomas Hartmann, Chemielaborant und Naturschutzwart und Thomas Pils Chemielaborant und examinierter Sprengkundiger


Weiterer rechtlicher Hinweis (für Deutschland)

Beim Auffinden von auch nur verdachtsweise explosionsfähigem Material oder Waffen oder Teilen davon, muss umgehend die Polizei informiert werden. Es versteht sich eigentlich schon von selbst, dass jeder derartige Fund bis zum Eintreffen der Polizei grundsätzlich unberührt, unbewegt und unter altersgerechter Aufsicht bleiben muss.

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