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NSG Mauermer und Bammentaler Elsenztal

Entdeckungstour mit dem Arbeitskreis (AK) Botanik der Naturschutzbund(NABU)-Ortsgruppe Heidelberg

Foto: Blick von den "Rohrwiesen" nahe der Elsenz über das Mauermer Gewerbegebiet auf den südlich gelegenen "Vorderwald". Mit im Rhein-Neckar-Raum seltenen Bewohnern aus der Tier- und Pflanzenwelt eröffnet sich dem der Natur nicht abgeneigten Betrachter der Elsenzaue bis Meckesheim im Sommerhalbjahr ein herrlicher Anblick auf 163 Hektar. Zur Hälfte hat sich das Naturschutzgebiet "Mauermer und Bammentaler Elsenztal" in Form recht unterschiedlicher, üppig entwickelter Wiesen entwickelt. Das wissen auch Mitglieder der Heidelberger NABU. Also lud dessen AK Botanik mit seinem Vorstand Volker Violet und Kollegen aus dem praktischen Naturschutz zu einer öffentlichen Führung in die Wiesen ein.
Beim Bahnübergang am Ortsrand des Bammentaler Ortsteils Reilsheim begann für die Teilnehmer aus der Region um Heidelberg die Entdeckungstour durch das Schutzgebiet. Auch dieser zweite Ausflug, der von der Idee her an den ersten anschließt hier her war nach zwei Stunden so ergiebeig geworden, dass ein dritter Termin zur Fortsetzung des Ganges durch das noch vor 7000 Jahren vom Neckar durchflossenen Tal. Von Neckargemünd durch das Wiesenbacher Tal bis kurz vor das heutige Mauer und wieder zurück nach Neckargemünd. Von diesem alten Flußbett rühren die Reste von Feuchtgebieten her. Dazu gehören Schilfröhricht, Seggenwiese, Nasswiese, Feuchtwiese und der Bruch.

Das Wort Bruch mit der Bedeutung "Sumpfland, Moor" lässt sich auf das althochdeutsche "brouh" und noch weiter auf seinen westgermanischen Ursprung zurückführen. Bruchsal, Brüssel und Grevenbroich leiten sich gleichermaßen davon ab. Im Naturschutzgebiet des Elsenztales ist es der hohe Grundwasserstand im beziehungsweise auf dem Schwemmlß, der den Boden sehr feucht hält.

Die Gemeine Kratzdistel (Cirsium vulgare) ist ein Standardfund bei vielen Exkursionen - also gibt es auch hier vom Exkursionsleiter die Erklärung zum typischen Bau des Fallschirmes. Bei Kratzdisteln sind die molligen weißen Haare (Pappus) der Fallschirm-Früchte verzweigt; dem ist dagegen nicht so bei anderen Disteln. Die Gemeine Kratzdistel verlangt wie hier an ihrem Standort keine feuchten Standorte, und begnügt sich auch sehr gut mit Schuttplätzen und Wegrainen.

Ein kleiner lila blühender Hohlzahn (Galeopsis sp.). Hier sehen symetrisch angeornete Blüütenteile wie Hohlzähne aus, ähnlich Keilern.

Die weiße Taubnessel (Lamium album), wird auch Bienensaug genannt.

Roter Zahntrost (Odontites ruber (Baumg.)OPIZ; ein Rachenblütler) ist eine der vielen ungewöhnlichen Pflanzenarten in diesem Gebiet.

Als Spielwiese der Natur in doppeltem Sinne offenbarte sich das Naturschutzgebiet bei einer Pferdekoppel. Hier am Zaun schien sich die bis zur Spitze üppig blühende Roßminze (Mentha longifolia) mit ihren für minzen auffallend länglichen langen Blättern wohl zu fühlen. Anhaltend feuchte Standorte zeigt sie an, mild minzig richt der langblättrige Lippenblütler. Die Roßminze könnte ein Zeichen sein, dass hier vor nicht allzuvielen Monaten ein Pferd seine Verdauung abschloss, denn sie bevorzugt gerade auch an ortsnahen Bächen den hier deutlich nährstoffreicheren Boden.

Ein über vier Zentimeter langes grünes Heupferd in einem Brennnesssel-Feld erregte die Gemüter. Denn nicht selten, jedoch ungewöhnlich groß und aufregend strukturiert ist diese Heuschreckenart, die für nicht feuchte Wiesen typisch ist.

Das Echte Mädesüß (Filipendula ulmaria) gleich bei der Rossminze. Im Gegensatz zum Kleinen Mädesüß bevorzugt das Echte M. Naßwiesen und entsprechende Gräben. Das Echte M. erinnert aus der Entfernung eher an einige Doldengewächse, entpuppt sich aus der Nähe gesehen jedoch schnell als Rosengewächs mit einer Durchgehenden Hauptachse am Blütenstand - also weder mit Dolde noch Trugdolde.

Das Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima)


Vorbei an einem mit Lolch-Gras (Lolium perenne; Lolium multiflorum, Raygras, Weidelgras) durchsetzten Magerrasen konnte gut entwickelt der auffallende blau blühende Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense) mit seinen Storchkopf ähnlichen Früchten begutachtet werden. Hier finden sich mit der Luzerne die Schneckenklee-Fruchthülsen, die ihrem Namen entsprechend wie Schneckenhäuser aufgerollt sind. Samen des Lolch-Grases finden sich auch in Mischungen für Zierrasen.




Natürliche Wiesengesellschaften bilden die Ausnahme - die hier vorherrschenden Grasarten wären die Süßgräser Glatthafer (Arrhenatherum elatius) und unter Umständen der Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), der trotz seines Namens eben nicht zur Familie der Fuchsschwanzgewächse gehört. Meist sind die vormals natürlichen Wiesengesellschaften durch intensive Grünlandnutzung "überformt".



Fotos: ein Schneckenklee, die Luzerne (Medicago sativa) - oberirdischer Spross, Blütenstand und die zwei- bis dreifach gewundenen Hülsenfrüchte







Ein häufiger Tagfalter mit dem wissenschaftlichen Gattungsnamen Sidaria.



Eine typische Glatthaferwiese: Glatthafer (Arrhenatherum elatius) und roter Wiesenklee (Trifolium pratense) sowie Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense). Der Gattungsname Geranium kommt aus dem griechischen Wort geranos und heißt Kranich, was wie "Storchschnabel" auch auf die Fruchtform hinweist. Die Blüten können bei dieser Art blauviolett, seltener auch rosa oder weß sein.

Unser Exkursionsleiter Volker Violet (Volker violet ssp. nabuformis) mit dem Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium).

Ein kleines bisschen anmutig erhebt sich manche der seltenen Wiesensilgen (Silaum silaus; Roßfenchel) blass-gelb blühend über die umliegende Wiese.
Die Wiesensilge ist ein typisches Gewächs für feuchte Standorte in Wiesen, Flachmooren und Gebüsch. Sie gehört allerdings zu einer anderen Gattung als die Art Silge (Selinum carvifolia)

2 Erlen (Alnus sp.) gehären in das Bild des Bruches.

Da sich die Gruppe bei den 2 Erlen nun mitten im Bruch des Elsenztales befand, war es klar, dass nun viele der für hier typischen Pflanzen und manches Tier mit "Sumpf" in ihren Namen beginnen.

Eine Sumpfschrecke (Stethophyma grossa = Mecostethus grossus) mit für ihre Art typischen roten Beinen, vor allem auf der Innenseite der Beine ist das Rot gut erkennbar.

Das Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis palustris). Das Rauhblattgewächs wächst auf nassen wiesen und an Ufern. Sehr vielgestaltig wird es 2 bis 50 cm hoch. Die Blüten mit ihrem behaarten Kelch sind gerade mal 8 bis 12 mm breit. Blüte IV-X.


Die Wiesenflockenblume (Centaurea jacea; Gemeine F.).


Foto: Am Rande der Rohrwiesen finden sich noch andere seltene Wiesenausprägungen mehr. Hier fanden sich ohne langes Suchen am Wegesrand Knöterich, Sumpf-Storchschnabel, die Rote Sumpfschrecke und viele andere Überraschungen mehr.


Unklar: Ein seltener rosarot blühender Knöterich, der Wasserpfeffer (Polygonum hydropiper = Persicaria hydropiper) oder ein wadlungsfähiger Wasserknäterich (Polygonum amphibium), der im Wasser wie auch an Land in verschiedenem Habitus wächst.

Ein Anblick von ganz besonderer Güte bescherte der Exkursionsgruppe unerwartet eine aufregend gezeichnete Sumpfschrecke, die - einmal entdeckt - in ihrer Art gut an den roten Beinen zu erkennen ist.

Mehr ist der violett-karminrot blühende Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre) eine Augenweide mit dem Farbspiel seiner Blüten

Roter Augentrost

Mädesüß (Filipendula ulmaria, Spierstaude, Rüsterstaude, Wiesenkänigin). Der Name leitet sich entweder aus der alten deutschen Bezeichnung "Honigsüß" ab, oder vom englischen meadow-sweet (Wiesen-süß). Unklar ist, ob das vom süßen Geruch der Pflanze selbst oder des feuchten Heus (Mahd), in den die Pflanze mit hinein kam, her kommt. Weitere Theorien sind die Namensgebung vom süßen Geruch des Honigweines her, dem Mädesüß-Blätter zugesetzt wurden. Auch wurden die fleischigen Wurzeln bei der Bierbrauerei genutzt. Das schwach gifige Kraut wurde früher als harntreibende Heilpflanze verwendet. Heute wird die Pflanze wieder verstärkt für Kräuterkissen, Duftsträuse oder sogar zum aromatisieren von Desserts und Getränken empfohlen.

Der Gilbweiderich ist trotz Namensgleichheit mit dem Blutweiderich keineswegs näher verwandt.

Der Blutweiderich (Lythrum salicaria) weißt auch mit seinem wissenschaftlichen Gattungsnamen Lythrum auf Blut hin. Mit "blutbesudelt" ist das griechische Wort lythron zu übersetzen. Aus england kennt man fossile Reste des Blutweiderich, die aus dem älteren Tertiär (rund 50 Milionen Jahre vor heute) stammen. Heute umfasst die Familie, zu der die Pflanze gehört 25 Gattungen mit 450 Arten. Im Iran wächst die Verwandte Lawsonia inermis, die in Asien und Nordafrika gezüchtet wird. Denn man weiß die Pflanze wohl zu schötzen, aus der bereits im Alten Ägypten der Kosmetik-Farbstoff Henna hergestellt wurde. Der Forscher Charles Darwin zog den Blutweiderich als das Beispiel für die "Heterostylie" heran. Der Standort der bis zu 150 cm hohen Pflanzen ist immer an Gewässern oder Sumpfwiesen. Blüte: Juni bis September

Fand sich bei einer Exkursion in einem Bruch-Graben: die Waldengelwurz.

Die stark krautig wirkende Spitze der Kohl-Kratzdistel ist für diese Art ein zeitweise sehr typisches Erscheinungsbild.

Das Sumpf-Helmkraut - tatsächlich erinnert bei genauem Hinsehen der verbleibende Teil der Blüte nach dem Abziehen der Blütenblätter an einen Helm.

Selten und eigentümlich in ihrer Ercheinung: die Braunwurz.

Der Gang durch das Feuchtgebiet mit wunderbar vielen Entdeckungen war hier endgültig abgeschlossen, obwohl es immer noch viel zu entdecken, zu erklären und zum Staunen gegeben hätte. Man darf beim NABU-Heidelberg stets auf eine Fortsetzungs-Exkursion im Elsenztal gespannt sein.

Bei so viel "Sumpf" in den Namen vieler Gewächse dieses Naturschutzgebietes und eines nicht sofort bestimmbaren Ehrenpreis stellte sich natürlich prompt auch die Frage, ob es einen "Sumpf-Ehrenpreis" gibt, und wenn, wie er beschrieben wird.
Hier die Antwort:
Der in deutschsprachiger Literatur selten genannte Sumpfehrenpreis mit dem deutschen Namen "Blaue Pyramide" (Veronica subsessilis Hybr.) blüht blau von Juni bis September auf sonnigen bis halbschattigen, nährstofarmen Plätzen. Eine Hybride der Veronica subsessilis blüht violettblau von Juli bis August. Bis 60 cm hoch ist ihr Standort ebenfalls sonnig bis halbschattig auf nährstofarmen Böden. Beide Formen des Sumpfehrenpreis sind Feuchtigkeitszeiger. Der (richtig ist auch "das") Schildehrenpreis (Veronica scutellata) wird gelegentlich auch Sumpfehrenpreis genannt, unterscheidet sich aber schon mit seiner weißlich, rosa oder blaßroten Blumenkrone deutlich von V. subs. Gefunden hat ihn die NABU-Gruppe bisher nicht auf seinem Gang durch das Schutzgebiet.

In einem Bruchgraben finden sich der Blutweiderich und der mit letzterem doch kaum verwandte Gilbweiderich, alle in voller Blüte.

Ein wahre Geschichte aus der Elsenzaue zum Abschluss: Ein besonders raffiniertes, parisitär lebendes Würmchen hatte den Fühler einer kleinen Gehäuseschnecke so wachsen lassen, dass er wie eine Raupe aussah! Überdies hatte es die Schnecke so programmiert, dass sie etwas an einem Pflanzenstängel hochgeklettert war, sodass ein Vogel möglicherweise das Räuplein pickt! In seinem neuen Wirt lebt der Parasit dann weiter, bis seine Eier durch die Ausscheidung des Vogels wieder zu einer Schnecke gelangen... .

Über 30 Tagfalter, mehr als 70 Vogelarten und Hunderte Arten mehr aus der Tier- und Pflanzenwelt werden hier sicher mindestens ein drittes Mal innerhalb von zwei Jahren den Heidelberger NABU und seine Freunde aus der Region auf den Plan rufen. So viel Staunen über verschiedenste Formen und Phänomene geht einfach nicht innerhalb einer mehrstündigen Exkursion zu erfassen. Es ist eine sehr dankbare Sache, dass alles hier beschriebene zu beobachten geht, ohne unerlaubt die Wege des einladenden Schutzgebietes verlassen zu müssen.

Text: © 2005 Thomas Hartmann, Volker Violet



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